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Bau-Wunder oder Fata Morgana? Warum der Wohnungsbau-„Aufschwung“ vor allem auf dem Papier stattfindet

  • Autorenbild: immohacks
    immohacks
  • 6. Nov. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Der Stimmungszeiger im deutschen Wohnungsbau zeigt nach oben – aber noch lange nicht ins Plus. Der vom Münchner ifo-Institut erhobene Geschäftsklimaindex sprang im September auf minus 21,8 Punkte, nach minus 26,4 im August. Das ist der beste Wert seit August 2022. Ein Befreiungsschlag ist es nicht, eher ein Atemholen nach einem sehr langen Tauchgang. „Der Wohnungsbau atmet etwas auf“, formuliert ifo-Umfragenleiter Klaus Wohlrabe – und präzisiert zugleich die Grenzen: In den Auftragsbüchern ist davon kaum etwas angekommen.


Gebäudekomplex

Denn die Realität auf vielen Baustellen bleibt ungemütlich. Fast die Hälfte der Betriebe meldet weiterhin zu wenig Arbeit; der Anteil der Firmen mit Auftragsmangel lag im Spätsommer bei 46,7 Prozent – ein paradoxes Detail in einer Phase vermeintlicher Aufhellung. Die Stornierungsquote ist nur kosmetisch gefallen – von 8,5 auf 8,4 Prozent. Die Botschaft: Weniger Rückwärts ist noch kein Vorwärts.



Ein Blick auf die harten Mengen zeigt, wie zäh die Lage ist. 2023 wurden bundesweit 294.400 Wohnungen fertiggestellt – deutlich unter dem politischen Ziel von 400.000 Einheiten pro Jahr. Für 2025 deuten Branchen- und Medienberichte sogar auf einen Rückgang auf ungefähr 235.000 Fertigstellungen hin. Das wäre ein Abrutschen auf den niedrigsten Stand seit Jahren – und weit unterhalb dessen, was in den Ballungsräumen gebraucht wird.


Die Pipeline dafür, was in Zukunft gebaut werden kann, ist ebenfalls dünn. Baugenehmigungen – der beste Vorläuferindikator – fielen 2024 um 16,8 Prozent auf nur noch 215.900 genehmigte Wohnungen, den dritten Rückgang in Folge und den schwächsten Jahreswert seit 2010. 2025 gibt es zwar erste zarte Pluszeichen in der Halbjahres- und Sommerstatistik, insbesondere bei Einfamilienhäusern. Doch bei den für die Städte entscheidenden Mehrfamilienhäusern kommt der Trend nur schleppend an – und von einer Trendwende kann keine Rede sein.


Siedlung von oben

Auch die Zinsfantasie hat Grenzen. Nach ersten Senkungen 2024 hat die Europäische Zentralbank 2025 eine Pause eingelegt; seit 11. Juni liegt der Einlagensatz bei 2,0 Prozent, im September und Ende Oktober blieb alles unverändert. Günstigeres Geld allein wird die strukturellen Probleme – hohe Baukosten, knappes Personal, langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse – nicht lösen.



Das erklärt, warum die Branche die kleine Stimmungsverbesserung zwar registriert, aber kaum feiert. Insolvenzen im Baugewerbe liegen 2025 über Vorjahr, viele Mittelständler arbeiten an der Kante. Behörden melden gleichzeitig einen noch immer hohen Anteil an Unternehmen mit fehlenden Aufträgen – ein K.O.-Kriterium für Investitionen in Kapazitäten.

Unterm Strich bleibt: Das hellere ifo-Bild ist ein wichtiges Signal – mehr nicht. Solange sich gestiegene Genehmigungszahlen nicht in Aufträge verwandeln, solange Fertigstellungen weiter vom Bedarf entfernt bleiben und solange die Zinswende nicht von einer echten Bürokratie- und Kostendämpfungswende begleitet wird, bleibt der vermeintliche „Aufschwung“ ein Rohbau ohne Innenausbau. Die Konjunktur, für die der Bau traditionell ein Frühindikator ist, sollte sich davon nicht blenden lassen.



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